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Kulturelle Teilhabe für alle -
Transkulturalität im Fokus

Eine Einführung in die Thematik durch Daniela Zambaldi mit anschließendem Beispiel aus der Praxis, dem Officine Vispa-Projekt „Which Way Home“ vorgestellt von Lorena La Rocca. 

Am 20. Mai 2026 führten wir in unserer Kulturaustausch-Reihe zu „Inklusiver Kultur“ in das Thema der Transkulturalität ein. Dieses ist als Konzept zu verstehen, das Kulturen nicht als geschlossene, homogene Einheiten versteht, sondern als dynamische, miteinander verflochtene Prozesse, die durch Austausch, Mobilität und Transformation geprägt sind. 

Daniela Zambaldi, Referentin für transkulturelle Kulturarbeit in der Abteilung für deutsche Kultur in Südtirol, gab uns einen ersten Überblick über die Definition und Herkunft des Begriffs, der in den letzten Jahrhunderten einen bedeutenden semantischen Wandel erfahren hat. Lange wurde Kultur als ein Phänomen, wie eine in sich geschlossene Kugel, abgegrenzt von anderen Kulturen verstanden. Diese Sichtweise förderte Nationalismus, Separatismus und Konflikte. Als Reaktion auf diese Begriffsdefinition entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderem die Konzepte des Multikulturalismus und der Interkulturalität. Diese betrachteten verschiedene Kulturen zwar als nebeneinander bestehend und ermöglichten einen Dialog zwischen ihnen, sahen Kulturen jedoch weiterhin als in sich geschlossene Einheiten. 

Der Begriff der Transkulturalität hingengen berücksichtigt sowohl Berührungspunkte als auch Gemeinsamkeiten und hebt die Grenzen zwischen verschiedenen Kulturen auf. Er unterstreicht die Vielfalt im Gegensatz zur Abgrenzung und sieht Kultur als etwas grundlegend Hybrides, Dynamisches und Verbindendes. So betrifft Transkulturalität nicht nur Gesellschaften, sondern jeden einzelnen Menschen und zeigt sich überall dort, wo unterschiedliche Lebensrealitäten, Ausdrucksformen oder Haltungen miteinander aufeinandertreffen, unabhängig von Herkunft, Identität, Hintergrund oder Sprachzugehörigkeit. 

„Das Verbindende zu suchen, ist auch das Schöne an der transkulturellen Kulturarbeit und am transkulturellen Lernen“, erklärt Daniela. Besonders in Südtirol sei es unerlässlich, Begegnungen zu schaffen, die die Teilhabe an der Gesellschaft sowie deren Mitgestaltung ermöglichen. „In diesem Sinne ist transkulturelle Kulturarbeit ein Mittel, um die Gemeinschaft zu stärken und den Zusammenhalt zu fördern.“

Die Aufgabe transkultureller Kulturarbeit wirft daher Fragen auf wie: „Sind Diversität und Vielfalt in den Projekten vorhanden?“ und „Wie kann Transkulturalität in die Projekte integriert werden?“ Sie schafft zudem ein Bewusstsein dafür, dass jeder Mensch eine unterschiedliche Kombination kultureller Hintergründe besitzt und somit „die kleinste Einheit von Vielfalt“ bildet (nach dem deutschen Philosophen Wolfgang Welsch). Umso wichtiger sei es, nicht davon auszugehen, auf eine homogene Zielgruppe zu treffen, sondern die Individuen selbst mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen zu sehen, letztere durch Offenheit und Dialog sichtbar zu machen und folglich Partizipation zu ermöglichen. 

Lorena La Rocca stellte uns anschließend das Projekt „Which Way Home“ vor, dessen künstlerische Leiterin sie ist und das von Creative Europe finanziert wird. Sie arbeitet für die Officine Vispa in Bozen, die es sich zur Aufgabe gemacht, die aktive Beteiligung am kulturellen und gesellschaftlichen Leben von Bewohner*innen in oft marginalisierten Gebieten zu fördern. Dadurch sollen soziale Bindungen gestärkt und der Wert der städtischen Randgebiete durch z.B. kulturelle Initiativen gesteigert werden. 

Das von den Officine Vispa konzipierte interdisziplinäre Projekt beschäftigt sich mit der Frage, was es bedeutet, sich zu Hause zu fühlen. Nicht im nationalistischen Sinne, sondern als Zusammenspiel von Verbindungen, Empfindungen und dem Gefühl der Zugehörigkeit zu Orten, an denen Menschen sich willkommen und verstanden fühlen. Es wurden Paare in Südtirol interviewt, mit verschiedensten kulturellen Identitäten, die Sprachen, Traditionen, Verhaltensweisen und Bräuche miteinander vermischen, sich teilweise angepasst haben oder Kompromisse zwischen zwei Welten eingegangen sind. Die Transkripte der Interviews wurden im Rahmen des Projekte in Theater-Monologe übertragen . In jeder Phase des Projekts wurden, ganz im Sinne der Arbeitsform des „Teatro Sociale di Comunità“, neue Menschen miteinbezogen, „denn Theater wird erst dann zu Gemeinschaftstheater, wenn es einem Großteil der Gemeinschaft eine Stimme verleiht“, so Lorena La Rocca. 

Neben einer neu gegründeten Theatergruppe und den interviewten Personen kamen im Laufe des Entstehungsprozesses insgesamt sechzig Schüler*innen aus verschiedenen deutsch- und italienischsprachigen Schulen hinzu, die sich künstlerisch am Projekt beteiligt haben. Die Abschlussaufführung am 06.06.2026 nutzte die Gelegenheit, unterschiedliche Sichtweisen von Personen oder Gruppen zu einem gemeinsamen Thema zu vereinen: zuerst mit einer „Theaterparade“ durch die Innenstadt Bozens, um die Figuren Giacomo Casanova und Lena Pfeifer (von den Schüler*innen gebaute Puppen) am Rathausplatz symbolisch zu vermählen. Erfahrungen, Erzählungen und Berichte der befragten Paare wurden anschließend auf der Hochzeitsfeier am Anne-Frank-Platz in Kaiserau erzählt, wo das Publikum selbst zu geladenen Hochzeitsgästen wurde. Das Theater verknüpfte dementsprechend unterschiedlichste Ausdrucksformen: Theater, Performance, Bildhauerei, Malerei, Musik und Tanz.

Mehr Informationen hierzu findest du unter: Bolzano Wedding Party

Von der Erläuterung des Kernthemas dieses Kulturaustausches in der Theorie durch Daniela Zambaldi bis zur Veranschaulichung der Praxis mit „Which Way Home“ von Lorena La Rocca wird letztendlich klar, dass Transkulturalität nur funktionieren kann, wenn der Vielfalt der Menschen Sichtbarkeit, nicht als Gruppe, sondern als Individuen mit eigenen Geschichten, gegeben wird, um diese dann gemeinschaftlich zu erzählen. 

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Kulturelle Teilhabe für alle -
Transkulturalität im Fokus

Eine Einführung in die Thematik durch Daniela Zambaldi mit anschließendem Beispiel aus der Praxis, dem Officine Vispa-Projekt „Which Way Home“ vorgestellt von Lorena La Rocca. 

Am 20. Mai 2026 führten wir in unserer Kulturaustausch-Reihe zu „Inklusiver Kultur“ in das Thema der Transkulturalität ein. Dieses ist als Konzept zu verstehen, das Kulturen nicht als geschlossene, homogene Einheiten versteht, sondern als dynamische, miteinander verflochtene Prozesse, die durch Austausch, Mobilität und Transformation geprägt sind. 

Daniela Zambaldi, Referentin für transkulturelle Kulturarbeit in der Abteilung für deutsche Kultur in Südtirol, gab uns einen ersten Überblick über die Definition und Herkunft des Begriffs, der in den letzten Jahrhunderten einen bedeutenden semantischen Wandel erfahren hat. Lange wurde Kultur als ein Phänomen, wie eine in sich geschlossene Kugel, abgegrenzt von anderen Kulturen verstanden. Diese Sichtweise förderte Nationalismus, Separatismus und Konflikte. Als Reaktion auf diese Begriffsdefinition entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderem die Konzepte des Multikulturalismus und der Interkulturalität. Diese betrachteten verschiedene Kulturen zwar als nebeneinander bestehend und ermöglichten einen Dialog zwischen ihnen, sahen Kulturen jedoch weiterhin als in sich geschlossene Einheiten. 

Der Begriff der Transkulturalität hingengen berücksichtigt sowohl Berührungspunkte als auch Gemeinsamkeiten und hebt die Grenzen zwischen verschiedenen Kulturen auf. Er unterstreicht die Vielfalt im Gegensatz zur Abgrenzung und sieht Kultur als etwas grundlegend Hybrides, Dynamisches und Verbindendes. So betrifft Transkulturalität nicht nur Gesellschaften, sondern jeden einzelnen Menschen und zeigt sich überall dort, wo unterschiedliche Lebensrealitäten, Ausdrucksformen oder Haltungen miteinander aufeinandertreffen, unabhängig von Herkunft, Identität, Hintergrund oder Sprachzugehörigkeit. 

„Das Verbindende zu suchen, ist auch das Schöne an der transkulturellen Kulturarbeit und am transkulturellen Lernen“, erklärt Daniela. Besonders in Südtirol sei es unerlässlich, Begegnungen zu schaffen, die die Teilhabe an der Gesellschaft sowie deren Mitgestaltung ermöglichen. „In diesem Sinne ist transkulturelle Kulturarbeit ein Mittel, um die Gemeinschaft zu stärken und den Zusammenhalt zu fördern.“

Die Aufgabe transkultureller Kulturarbeit wirft daher Fragen auf wie: „Sind Diversität und Vielfalt in den Projekten vorhanden?“ und „Wie kann Transkulturalität in die Projekte integriert werden?“ Sie schafft zudem ein Bewusstsein dafür, dass jeder Mensch eine unterschiedliche Kombination kultureller Hintergründe besitzt und somit „die kleinste Einheit von Vielfalt“ bildet (nach dem deutschen Philosophen Wolfgang Welsch). Umso wichtiger sei es, nicht davon auszugehen, auf eine homogene Zielgruppe zu treffen, sondern die Individuen selbst mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen zu sehen, letztere durch Offenheit und Dialog sichtbar zu machen und folglich Partizipation zu ermöglichen. 

Lorena La Rocca stellte uns anschließend das Projekt „Which Way Home“ vor, dessen künstlerische Leiterin sie ist und das von Creative Europe finanziert wird. Sie arbeitet für die Officine Vispa in Bozen, die es sich zur Aufgabe gemacht, die aktive Beteiligung am kulturellen und gesellschaftlichen Leben von Bewohner*innen in oft marginalisierten Gebieten zu fördern. Dadurch sollen soziale Bindungen gestärkt und der Wert der städtischen Randgebiete durch z.B. kulturelle Initiativen gesteigert werden. 

Das von den Officine Vispa konzipierte interdisziplinäre Projekt beschäftigt sich mit der Frage, was es bedeutet, sich zu Hause zu fühlen. Nicht im nationalistischen Sinne, sondern als Zusammenspiel von Verbindungen, Empfindungen und dem Gefühl der Zugehörigkeit zu Orten, an denen Menschen sich willkommen und verstanden fühlen. Es wurden Paare in Südtirol interviewt, mit verschiedensten kulturellen Identitäten, die Sprachen, Traditionen, Verhaltensweisen und Bräuche miteinander vermischen, sich teilweise angepasst haben oder Kompromisse zwischen zwei Welten eingegangen sind. Die Transkripte der Interviews wurden im Rahmen des Projekte in Theater-Monologe übertragen . In jeder Phase des Projekts wurden, ganz im Sinne der Arbeitsform des „Teatro Sociale di Comunità“, neue Menschen miteinbezogen, „denn Theater wird erst dann zu Gemeinschaftstheater, wenn es einem Großteil der Gemeinschaft eine Stimme verleiht“, so Lorena La Rocca. 

Neben einer neu gegründeten Theatergruppe und den interviewten Personen kamen im Laufe des Entstehungsprozesses insgesamt sechzig Schüler*innen aus verschiedenen deutsch- und italienischsprachigen Schulen hinzu, die sich künstlerisch am Projekt beteiligt haben. Die Abschlussaufführung am 06.06.2026 nutzte die Gelegenheit, unterschiedliche Sichtweisen von Personen oder Gruppen zu einem gemeinsamen Thema zu vereinen: zuerst mit einer „Theaterparade“ durch die Innenstadt Bozens, um die Figuren Giacomo Casanova und Lena Pfeifer (von den Schüler*innen gebaute Puppen) am Rathausplatz symbolisch zu vermählen. Erfahrungen, Erzählungen und Berichte der befragten Paare wurden anschließend auf der Hochzeitsfeier am Anne-Frank-Platz in Kaiserau erzählt, wo das Publikum selbst zu geladenen Hochzeitsgästen wurde. Das Theater verknüpfte dementsprechend unterschiedlichste Ausdrucksformen: Theater, Performance, Bildhauerei, Malerei, Musik und Tanz.

Mehr Informationen hierzu findest du unter: Bolzano Wedding Party

Von der Erläuterung des Kernthemas dieses Kulturaustausches in der Theorie durch Daniela Zambaldi bis zur Veranschaulichung der Praxis mit „Which Way Home“ von Lorena La Rocca wird letztendlich klar, dass Transkulturalität nur funktionieren kann, wenn der Vielfalt der Menschen Sichtbarkeit, nicht als Gruppe, sondern als Individuen mit eigenen Geschichten, gegeben wird, um diese dann gemeinschaftlich zu erzählen. 

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c/o Heimatpflegeverband Südtirol
39100 Bolzano/Bozen
Autonome Provinz Bozen Südtirol
Codice Fiscale: 94161280212

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